Werte, die bleiben

Fokus Wirtschaft und Bildung

Fokus Wirtschaft und Bildung

Werte, die bleiben

Unsere vielfältigen Engagements tragen zur Lösung wirt­schaftlicher, gesell­schaftlicher und ökologischer Aufgaben im Kanton bei. Damit schaffen wir Werte für einen attraktiven Wirtschafts- und Lebensraum Zürich. Im Unternehmens­profil 2019 widmen wir uns dem Wirtschafts- und Bildungsstandort. Blicken Sie hinter die Kulissen von PKZ, und erfahren Sie, wie das traditionelle Modehaus dem Wandel der Branche begegnet und sich zum Standort Zürich bekennt. Begleiten Sie Chiara bei ihrem Besuch an der Berufsmesse. Als Haupt­sponsorin unterstützen wir diese Plattform, die Jugendlichen und Erwachsenen Einblick in zahlreiche Lehrberufe, Schul- und Weiter­bildungs­angebote gewährt. Zudem spricht Ständerat Ruedi Noser in einem Interview über den hiesigen Wirtschaftsstandort, Schweizer Eigenheiten und die Zukunft.

PKZ – Paul Kehl Zürich

Mode bedeutet Veränderung

Traditionsunternehmen haben keinen Bestandsschutz. Sie erfinden sich immer wieder neu und passen sich dem Markt an. Insbesondere in einem so schnelllebigen Geschäftsfeld wie der Mode. Für PKZ sind Zielgrup­pennähe und Service­qualität zentrale Erfolgsgaranten.

Details sind ihr wichtig. Egal, ob sie über die von ihr neu entwickelte Strategie von PKZ spricht oder den Fortschritt des Umbaus der Personalkantine am Hauptsitz des Unternehmens in Urdorf vorstellt. Manuela Beer, CEO von PKZ, macht auf Besonderheiten in der wohnlichen Ess- und Kochlandschaft aufmerksam und fasst zusammen: «Ausser den Fenstern ist hier eigentlich nichts mehr so, wie es vorher war.»

Im Herbst 2014 kam sie zum Züricher Traditionshaus, um im Auftrag des Firmenbesitzers und damaligen CEO Olivier Burger eine neue Strategie zu entwickeln, womit man dem veränderten Markenumfeld besser begegnen wollte als mit dem bisherigen Multi-Brand-Ansatz. Im Februar 2015 übernahm sie auch die operative Leitung als CEO, und bereits im Mai wurde die Neuausrichtung offiziell verabschiedet und in zwei Booklets für PKZ Men und PKZ Women festgehalten. Wieder so ein kleines, aber feines Detail.

«Strategien gibt es natürlich in den meisten Unternehmen», sagt die heute 49-Jährige, «aber wir zeichnen uns dadurch aus, dass wir die Strategie in Jahresplänen stets aufs Neue auf die einzelnen Abteilungen herunterbrechen und damit genau aufeinander abgestimmt vorgehen. Und so kommen wir vom Groben ins Feine», sagt sie, der die Ideen nicht ausgehen.

1881 wurde das Unternehmen von Paul Kehl in Winterthur gegründet. Damals als Produktionsbetrieb und nicht als Kleiderfachgeschäft wie heute. 1884 zog das Unternehmen nach Zürich, was sich 1891 auch im Namen niederschlug: Paul Kehl Zürich – PKZ. Schon seit 1886 verfolgte das Familien­unternehmen eine schweizweite Strategie. Das heute unter dem Namen PKZ Burger-Kehl & Co. AG firmierende Unternehmen blieb stets in Familienhand. Der im Dezember 2015 plötzlich verstorbene Olivier Burger stand für die vierte Generation, einer seiner Söhne sitzt heute im Verwaltungsrat.

Derzeit hat PKZ 39 Filialen in der ganzen Schweiz. Jeweils Damen- und Herren-Häuser. Allerdings tragen die sieben Filialen im Kanton Zürich mit rund einem Drittel des Umsatzes überdurch­schnittlich zur Wertschöpfung bei. Von den schweizweit rund 600 Mitarbeitenden – die übrigens je hälftig Männer und Frauen sind – arbeiten allein 250 im Kanton Zürich, 80 davon am Hauptsitz in Urdorf. Demnächst werden es noch mehr; denn auch das neue Logistikzentrum für das Online-Geschäft des Unternehmens wird nach Urdorf verlagert.

Das Flagship an der Bahnhofstrasse

Die Hochwertigkeit und Strahlkraft der Verkaufsflächen sind zentral für das Servicekonzept von PKZ. Darum gilt: Ist man an einem Ende fertig, beginnt man am nächsten erneut. Ein Prozess ständiger Erneuerung.

«In Zürich, der grössten Stadt der Schweiz mit der höchsten Wirtschaftskraft, finden wir besonders viele Kunden», sagt Beer. Menschen ab 25 Jahren, die ein Faible für hochwertige Mode haben, aber keine luxuriöse Extravaganz suchen, die Wert auf Qualität und gute Beratung legen, bilden die Hauptzielgruppe des Unternehmens. So reicht das Sortiment vom gehobenen Trend bis zum klassischen Outfit, wobei das Premiumsegment zuletzt besonders ausgebaut wurde.

Das Innovationstempo der vergangenen Jahre war hoch. Der Druck der Mitbewerber – vor allem multinationale Unternehmen, aber auch Onlinehändler – war stark, das wirtschaftliche Umfeld unter anderem wegen des Höhenflugs des Frankens herausfordernd. Hinzu kam, dass 2016 nach dem Tod von Olivier Burger eine neue Balance in der Firmenführung gefunden werden musste.

«Trotz allem ist dem Unternehmen bereits 2017 der Turnaround gelungen», bemerkt Manuela Beer stolz. Dazu hat nicht zuletzt beigetragen, dass man ein Familienunternehmen ist. «Unser grösster Vorteil ist, dass wir langfristig planen und antizyklisch investieren können.» Dabei kann sich PKZ seit vielen Jahren ebenfalls auf die Zürcher Kantonalbank als kompetente Finanzdienstleisterin verlassen. «Auch sind unsere Entscheidungswege sehr kurz und einvernehmlich. Wir handeln professionell und pragmatisch.» Fast schon schwärmend verweist sie auf das unternehmerische Handeln ihrer Mitarbeitenden: «Wir ziehen hier alle an einem Strick, alle wollen den Erfolg.»

«Passion for Fashion – das ist unser Motto, und diese Emotionalität wollen wir unseren Kunden weitergeben.»

Aber natürlich braucht ein Unternehmen im Umbruch auch immer wieder neues Know-how und Impulse von aussen. «Nicht zuletzt deswegen bin ja auch ich hierhergekommen», sagt Beer, die nach ihrem Betriebswirtschaftsstudium an der HSG erst bei Unilever, der Möbel- und Taschenmanufaktur de Sede und dann lange und erfolgreich bei Globus gewirkt hat, zuletzt als Vize CEO. Ihr Arbeitsschwerpunkt lag von Beginn an auf Marketing und Strategie: «Ich bin ein analytischer Mensch und kann Potenziale und Chancen erkennen, gleichzeitig lasse ich mich auch von vielen Dingen um mich herum inspirieren. Aus diesen zwei Herangehensweisen formt sich eine Strategie, die wir dann gemeinsam kraftvoll implementieren», fasst sie ihr Vorgehen zusammen.

Seit 2017 engagiert sich Beer zudem in den Vorständen der Zürcher Handelskammer sowie der Schweizerischen Gesellschaft für Marketing. «In beiden Gesellschaften ist mein Know-how im Retailgeschäft und im Marketing gefragt, was ich gerne weitergebe. Im Gegenzug lerne ich auch persönlich dazu und verknüpfe mit diesen Engagements auch die Idee, das politische Umfeld mitzugestalten sowie mein Netzwerk zu pflegen», erklärt sie ihre Motivation.

Ein wichtiges Standbein des Unternehmens ist der Onlinehandel, den der Visionär Olivier Burger schon 2011 unter dem Namen thelook.com ins Leben gerufen hat. Heute ist pkz.ch einer der führenden Schweizer Fashionanbieter im Netz. «Wir verzahnen den stationären Handel und das Online-Geschäft sehr stark – das eine geht ohne das andere nicht», betont Beer. Die Beraterinnen im Laden ergänzen das Angebot vor Ort computergestützt mit weiteren Bestellmöglichkeiten. Die Kunden entscheiden, ob sie Bestellungen direkt nach Hause oder in eine Filiale liefern lassen wollen. Und Retouren können bequem und unverpackt in einer Filiale abgegeben werden.

«In Zürich, der grössten Stadt der Schweiz mit der höchsten Wirtschaftskraft, finden wir besonders viele Kunden.»

Vier Kollektionen im Jahr

Als modebegeisterte Frau erliegt auch Manuela Beer regelmässig den Verlockungen des PKZ-Sortiments: «Ich mache gerne auch auf diese Art Werbung für uns.»

Auch das ist eine Ausprägung der Servicedefinition, die für PKZ essenziell ist: «Unsere Beratung und Begleitung ist lückenlos, wertschätzend und persönlich.» Lounges zur Erholung, Getränke, VIP-Kabinen, Spezialkassen – die bereits verwirklichten Ideen, aber auch die Pläne für zukünftige Veränderungen sind zahlreich. Seit zwei Jahren werden die Mitarbeitenden intensiv in diese Richtung weitergebildet. Neuerdings auch mit speziellen Kursen zum «Personal Shopper».

Markus Zweifel erlebt den Wandel der Modebranche und des Unternehmens seit bald zehn Jahren als Kundenbetreuer der Zürcher Kantonalbank mit. «Es ist eindrücklich, wie gut sich PKZ in diesem schwierigen Marktumfeld behaupten kann und heute nach wie vor als grundsolides Unternehmen dasteht», so der Kundenbetreuer. «Das sind gute Voraussetzungen, zumal tiefgreifende Entwicklungen wie Globalisierung, Digitalisierung oder verändertes Kundenverhalten diese Branche – wie viele andere auch – noch weiter fordern werden.»

«Unsere Zielgruppe ist sehr anspruchsvoll. Sie erwartet den perfekten Service, ein Einkaufserlebnis, das wir im Sortiment, in der Ansprache der Kunden, aber auch in der Ausstattung und dem Ambiente unserer Filialen abbilden wollen und müssen.» Daher wurde in den vergangenen Jahren intensiv in die Umgestaltung der Geschäfte investiert. Und damit nicht genug: «Wir kennen unsere Kunden ziemlich gut und wissen daher, wie wir sie verwöhnen können.» Und so finden schweizweit regelmässig Events, Modenschauen und Anlässe statt, zu denen die Kundschaft zielgruppengerecht eingeladen wird. «Passion for Fashion – das ist unser Motto und diese Emotionalität wollen wir unseren Kunden auch weitergeben», so Beer.

«Unsere Beratung und Begleitung ist lückenlos, wertschätzend und persönlich.»

Eine sehr wichtige Rolle spielt ebenfalls die Kommunikation mit den Kunden. Neben dem Modemagazin «Inside», das in einer Auflage von 400’000 Stück quartalsweise zweisprachig erscheint, gibt es zahlreiche Newsletter, Kundenbriefe, Wettbewerbe und Sonderaktionen. Sehr aktiv ist man auch in den Social Media, einerseits mit eigenen Auftritten, aber auch in Zusammenarbeit mit Influencern.

Wie die Mode selbst wird sich auch die nunmehr 138-jährige PKZ stetig wandeln und neuen Strömungen anpassen. So werden die Filialen immer wieder neu aufgefrischt und aufwändig renoviert, um dann wieder von vorne zu beginnen. Auch die Strategie wird jährlich neu adjustiert. Und so sieht Manuela Beer für PKZ auch in Zukunft einen guten Platz im Modehandel der Schweiz. «Meine Tochter ist mit 18 Jahren eine typische Vertreterin der Generation Z. Das ist unsere Zielgruppe der Zukunft.»

Text: Elisabeth Zsindely

Unser Leistungsauftrag
Die Zürcher Kantonalbank hat vom Kanton Zürich einen gesetzlichen Auftrag erhalten: die Bevölkerung und die Unternehmen mit Bankdienst­leistungen zu versorgen, zur Lösung von wirtschaft­lichen und sozialen Aufgaben beizutragen und verantwortungsvoll mit der Umwelt und der Gesellschaft umzugehen. Damit tragen wir zu einem attraktiven Wirtschafts- und Lebensraum Zürich bei, sodass Unternehmen entstehen und erfolgreich wirtschaften können.

Interview mit Ruedi Noser, Ständerat

«Ich bin ein Optimist, durch und durch»

Mit sechzehn kam Ständerat Ruedi Noser nach Zürich und blieb. Er engagiert sich für die freie Entfaltung der Wirtschaft, für die Anliegen der KMU und für die Berufsbildung. Ein Gespräch über den Wirtschaftsstandort Zürich, Schweizer Eigenheiten und die Zukunft.

Herr Noser, Sie wuchsen im Kanton Glarus auf. Was hat Sie nach Zürich gelockt?

Die Ausbildung, wie wohl bei vielen. Ich absolvierte in Winterthur meine Lehre zum Maschinenmechaniker. Für mich war der Wegzug aber auch ein Befreiungsschlag. Glarus war mir zu eng, jeder kennt jeden. In Winterthur war ich unbekannt, der familiäre Hintergrund spielte keine Rolle. Das fand ich toll.

Haben Sie je mit dem Gedanken gespielt, nach Glarus zurückzukehren?

Nein. Der Ruedi Noser, so wie er heute ist, wäre im Glarnerland nicht möglich gewesen. In kleinen Kantonen spielen die Herkunft und familiäre Beziehungen eine grosse Rolle. Anders im Kanton Zürich: Hier zählt vor allem die Leistung. Wenn einer gut arbeitet, wird er anerkannt. Ich bin dem Kanton Zürich sehr dankbar, dass er mir und auch ganz vielen anderen Leuten die Chance gibt, hier ihr Leben zu gestalten.

Was macht den Kanton Zürich so stark? Ist es genau diese Offenheit?

Die Vorurteilslosigkeit: Die Leute werden so akzeptiert, wie sie sind. Es gibt viele Möglichkeiten, erfolgreich zu sein, man muss sie nur packen. In der Schweiz gibt es Regionen, in denen ich die Gesellschaft als geschlossen wahrnehme. Zürich ist offen, das macht den Kanton stark. Dies gilt es aus meiner Sicht auch zu verteidigen.

«Unser Ziel muss es sein, dass möglichst viele Schweizerinnen und Schweizer von der Digitalisierung profitieren.»

Sehen Sie weitere Gründe für den Erfolg?

Es ist sicher eine Mischung aus vielem. Jedoch erachte ich die Migration als den wichtigsten Treiber. Die ganze Industrialisierung wäre ohne Einwanderung nicht möglich gewesen. Zürich ist erst in den letzten 150 Jahren gross geworden. Während in anderen Kantonen die Herkunft häufig im Vordergrund stand, machte Zürich Leistungspolitik, öffnete sich. Das war und ist noch immer das Erfolgsrezept.

Eine klare Ansage für die Zukunft …

Ja, das ist meine Botschaft: Wir müssen offen sein für eine unbekannte Zukunft. Wir sollten nicht zu sehr am Alten festhalten. Mit dem Status quo schafft man nichts Neues. Ich bin meiner Vorgeneration dankbar für die Chancen, die sie mir ermöglicht hat. Und selbstverständlich müssen wir unsere Sozialwerke sichern und einen gesunden Finanzhaushalt anstreben. Die zentrale Frage ist aber: Wie schaffen wir es, dass unsere Kinder die gleichen oder mehr Möglichkeiten haben, wie wir sie hatten? Ich sehe meine Verantwortung und die der Politik genau dort. Wir müssen die Voraus­setzungen für eine gute Zukunft schaffen.

Die Digitalisierung gehört zu den aktuellsten Herausforderungen. Wie steht der Wirtschaftsstandort Zürich diesbezüglich da?

Wir Schweizer stellen häufig viel zu stark das Negative in den Vordergrund. Es vergeht kaum ein Tag, an dem im Zusammenhang mit der Digitalisierung nicht darüber berichtet wird, wie viele Stellen verloren gehen oder dass unsere Kinder in Jobs arbeiten werden, die es heute noch nicht gibt. Als hätte es das in der Geschichte noch nie gegeben! Zu Beginn des 20. Jahrhunderts ging ein Drittel der industriellen Jobs verloren, dafür entstanden andere Berufsbilder. Wir sollten die Digitalisierung als Chance sehen.

Dass es aber auch Verlierer geben kann, ist unbestritten.

Ja. Aber wir sollten das nicht einfach so hinnehmen und lamentieren, sondern etwas dagegen unternehmen. Unser Ziel muss es sein, dass möglichst viele Schweizerinnen und Schweizer von der Digitalisierung profitieren. Das bedeutet, dass wir diese aktiv mitgestalten sollten.

Auf einer Skala 1 bis 10: Wie stark schätzen Sie demnach den Wirtschaftsstandort Schweiz ein?

Eigentlich könnten wir uns eine 11 geben. Wir gehören weltweit zu den Top-Standorten: Ausbildung, Gesundheit, Finanzplatz und Lebensqualität. Vieles ist hervorragend. Aber besser werden kann man immer. Das sollte uns und unsere Unternehmen antreiben. Als Wirtschaftsstandort brauchen wir Innovation, um international bestehen zu können.

«In jedem Dorf im Kanton gibt es einen innovativen Betrieb, der bereit ist, in die Zukunft zu investieren.»

Ständerat Ruedi Noser in der Halle 3 des Innovationsparks Zürich in Dübendorf.

Die Stiftung Innovationspark Zürich lässt auf dem Flugplatz Dübendorf eine neue Plattform für Forschung, Entwicklung und Innovation entstehen. Sie wurde gemeinsam vom Kanton Zürich, der ETH Zürich und der Zürcher Kantonalbank gegründet und finanziert; zudem engagiert sich die Bank im Stiftungsrat.

In diesem Zusammenhang wird oft von der Bedeutung der Start-up-Szene gesprochen. Ist sie die treibende Kraft für Innovation?

Auch, aber nicht nur. Meines Erachtens findet Innovation sehr stark in den bestehenden Unternehmen statt. Wenn ich mich im Kanton umschaue, findet sich in jedem Dorf ein innovativer Betrieb, der bereit ist, in die Zukunft zu investieren und permanent nach Verbesserungen strebt. Unser erfolgreiches duales Bildungssystem ist dabei ein Vorteil: Wir können jungen Fachkräften, die keine Hochschule besuchen, mit der Berufslehre spannende Einstiegsmöglichkeiten in bestehenden Unternehmen bieten.

Sie selber machten sich 1988 selbstständig. War es schon immer Ihr Traum gewesen, Unternehmer zu sein?

Nein, dies war eher Zufall. Hätte ich bei meinem ersten Arbeitsplatz die Möglichkeit gehabt, das umzusetzen, was ich mir damals vorstellte, wäre ich noch immer dort. Wir müssen daher Sorge tragen, dass unsere bestehenden Unternehmen weiterhin so innovativ bleiben und die Rahmenbedingungen stimmen, damit sich junge Fachkräfte mit Ihren Ideen und Visionen einbringen können.

Wir brauchen also keine Gründerkultur mit mehr Mut zum Scheitern wie in den USA?

Wenn ich in 20 Firmen investiere und daraus höchstens bei einer mehr raushole als reinstecke, ist das für mich wenig effizient. Ich sehe generell keinen Sinn darin, eine Kultur kopieren zu wollen. Das Original wird immer besser sein als die Kopie. Kulturen lassen sich zudem nicht so schnell ändern, wie wir immer meinen. Als unternehmerisch denkender Mensch sage ich: Stärken wir unsere Stärken und basteln nicht an unseren Schwächen herum. Wir sind international, offen, äusserst verlässlich und eben auch innovativ. Einfach auf unsere Art.

Wie stufen Sie den Finanzplatz Zürich ein? Förderer oder Verhinderer?

Sicher Förderer. Die Zürcher Kantonalbank engagiert sich beispielsweise stark für die Belange der KMU und der Wirtschaft. Doch ich sehe für den Finanzplatz Zürich auch noch Luft nach oben. Für mich ist Basel mit seinen grossen Venture-Fonds ein Vorbild. Dort konnten neue, grosse Firmen entstehen. Ähnliche Engagements könnte ich mir in Zürich auch vorstellen.

Ihnen liegt die kommende Generation sehr am Herzen. Was möchten Sie den jungen Leuten mit auf den Weg geben?

Eigentlich sage ich immer: Passt auf, wenn einer euch einen Rat geben will. Ratschläge zerstören meines Erachtens sehr viele der eigenen Ideen. Nun, da Sie mich aber fragen: Habt den Mut, eure Träume zu verwirklichen! Sucht Wege, wie ihr diese Ziele erreichen könnt. Ich bin ein Optimist, durch und durch. Jeder Tag beginnt neu. Wir leben in einem tollen Kanton, in einem tollen Land. Es ist ein Privileg, hier zu leben. Damit kann man optimistisch in die Zukunft schauen und sich überlegen: Was ist mein Beitrag dazu?

Interview: Killian Borter

Berufsmesse Zürich

Auf dem Weg in die Arbeitswelt

Berufswahl, wenn man 14 Jahre alt ist: Wir haben Chiara bei ihrem Besuch der Berufsmesse Zürich begleitet.

Die Stimmung ist gut. Schulreise ist Schulreise, auch wenn es diesmal um die Arbeit und nicht ums Vergnügen geht. Um 7.45 Uhr trifft sich Ende November die Sekundarklasse aus Bülach zur Fahrt zur Berufsmesse Zürich. Unter ihnen: Chiara – helle Jeans, graue Jacke, lange blonde Haare, offenes Lächeln. Es wird begrüsst, gescherzt, gelacht und gefroren. Waren es in Bülach schon viele Klassen, ist die Zahl der Jugendlichen am Bahnhof Oerlikon nicht mehr überschaubar. Und das, obwohl die Messe fünf Tage lang dauert. Sie alle erhoffen sich reale und praxisorientierte Einblicke in Berufsbilder, die sie sich für ihre Zukunft vorstellen können oder ebenfalls in solche, die ihnen noch gar nicht vor Augen standen.

Auch wenn die Jugendlichen erst 14 Jahre alt sind, befassen sie sich bereits seit rund drei Monaten mit dem Thema Berufswahl. Erste Schnupperlehren wurden schon absolviert, aber wie so oft ist es viel leichter, etwas auszuschliessen, als etwas in die engere Wahl zu fassen. Genau hier setzt die Berufsmesse an, die seit ihrer Gründung 2005 von der Zürcher Kantonalbank unterstützt wird. Über 500 Lehrberufe, Ausbildungen und Weiterbildungsmöglichkeiten präsentieren sich in den weiten Hallen der Messe Zürich. Angesprochen ist, wer eine Lehrstelle oder Schnupperlehre sucht. Aber auch, wer eine Umschulung, berufliche Weiterbildung oder einen Berufswechsel plant, ist hier richtig.

Die Vielfalt könnte überwältigen

Unzählige Aussteller, 500 Lehrberufe, hohe Lautstärke und viel Ablenkung. Chiara verlor ihren Fokus dennoch nicht.

«Ich erhoffe mir, dass ich heute sicher bin, dass ich die richtige Wahl treffe.»

«Ich erhoffe mir, dass ich heute sicher bin, dass ich die richtige Wahl treffe», sagt Chiara ambitioniert. Nachdem die Jacken verstaut sind, zieht sie gemeinsam mit einer Freundin los. Sie hat sich vorbereitet und drei Stände ausgesucht, die sie besuchen will. Zielstrebig geht es zur Berufsberatung Stadt und Kanton Zürich. Dort trifft Chiara auf eine junge Frau, die selbst noch in der Ausbildung ist, wie ihr Namensschild verrät. Sie erkundigt sich nach «Dentalassistentin», dem Einstiegsprofil in die Wunschberufswelt. Denn schon im zarten Alter von vier hat sie verkündet, Zahnärztin werden zu wollen. Die Begegnung ist kurz, aber freundlich: Aus einem Ordner fotografiert Chiara die Tätigkeitsbeschreibung der Dentalassistentin und den damit verknüpften Bildungsweg. «Man braucht natürlich gute Noten dafür, ab vier aufwärts», sagt die Beraterin. Chiara, kurz durch die Aussage verunsichert, winkt erleichtert ab. Kein Problem.

In einer Ecke der Halle riecht es verlockend – aber die Mädchen verlieren keine Zeit an den Ständen, die für Bäcker-, Koch- oder Konditorlehren werben. Nicht einmal, um eine Probe von deren Können zu degustieren. Auch die zahlreichen handwerklichen Berufsbilder, die sich präsentieren, sowie Banken, KV und andere Bürojobs finden keine Beachtung.

Bei den Puls- bzw. Gesundheits-Berufen wird es viel konkreter. Denn für Chiara ist klar: «Ich will etwas mit Menschen machen. Ich mag Menschen, und ich möchte ihnen helfen.» Sie fragt einen der engagierten, in rosa gewandeten Berater nach dem Berufsbild «Fachfrau Gesundheit Psychiatrie» (FAGE). Das ist Plan B, wenn es mit den Zähnen nicht klappen will. «Die Pflege in der Psychiatrie ist anspruchsvoll. Da kommt man auch leicht einmal an seine Grenzen, wenn man mit psychisch kranken Menschen zu tun hat», informiert der Berater. Chiara ist ungerührt: «Ich lerne ja sicher, wie man damit umgeht.» Der Berater meint, sie solle auf jeden Fall in der Psychiatrie schnuppern, damit sie weiss, wie es sich anfühlt, und zählt Institutionen auf, an die sie sich wenden könnte. Statt sich gleich auf Psychiatrie zu spezialisieren, gäbe es auch die Möglichkeit, erst einmal eine FAGE-Ausbildung in einem Akutspital oder in einem Altenheim zu absolvieren und erst in einem zweiten Ausbildungsschritt an der Höheren Fachschule auf Psychiatrie zu fokussieren. Chiara gefällt das nicht. «Ich habe als FAGE in einem Altenheim geschnuppert», sagt sie unmissverständlich. Dort macht ihr vier Jahre älterer Bruder seine Ausbildung. «Das ist nichts für mich!» Alternativ zeigt der Berater noch andere Berufswege auf: Fachmittelschule bzw. BMS mit anschliessendem Fachhochschulstudium. Auch das sind Wege in den Psychiatrieberuf.

«Ich will etwas mit Menschen machen!»

Das Handy diente an diesem Morgen nur als Wegweiser zum nächsten Ziel. Zum Chatten nahmen sich die Schülerinnen keine Zeit.

Er ist überrascht, als Chiara dann erwähnt, dass sie eigentlich Zahnärztin werden möchte. Den von ihr angestrebten Weg über Dentalassistentin über Dentalhygienikerin bis zum Studium der Zahnmedizin hält er für einen Umweg: «Der Königsweg zum Zahnarzt führt über das Gymnasium direkt an die Uni. Grundsätzlich geht es auch so, wie Sie sagen, aber es ist umständlicher und dauert länger.»

«Ich finde es besser, mir die Dinge offenzulassen und immer wieder neu zu entscheiden, statt den direkten Weg zu nehmen.»

Während einer kurzen Pause erzählt Chiara, dass sie bis jetzt schon in zwei zahnärztlichen Praxen Schnuppertage absolviert hat, sowohl bei einer Dentalassistentin als auch bei einer Dentalhygienikerin. Das gefällt ihr gut. Sie wünscht sich ihren Berufsweg praxisorientiert. Dass es lange dauern kann, ist sekundär. Nach der Primarschule hat sie die Gymi-Prüfung gemacht, aber nicht bestanden. In einem Jahr, nach der 3. Sek A, wird sie es vielleicht erneut versuchen. «Aber eigentlich habe ich gar keine Lust mehr, zur Schule zu gehen.» Ihre Eltern unterstützen sie in ihren Wünschen – unabhängig davon, ob es sie ins Studium oder in die Ausbildung zieht.

Zum Ende des Messebesuchs vertreiben sich Chiara und ihre Freundinnen noch ein wenig die Zeit und nehmen an Wettbewerben teil. Sie füllen Fragebögen aus und stellen zufällig fest, dass sie auch zur Drogistin geeignet wären. An einem Stand lässt Chiara ein Bewerbungsfoto machen und an einem anderen Spassfotos mit den Freundinnen.

Das Ziel, Gewissheit über ihre berufliche Laufbahn zu finden, hat Chiara an diesem Tag nicht erreicht. Aber ganz sicher hat sie wesentliche Impulse bekommen, die sie in ihrer Entscheidung weiterbringen. Und wer weiss: Vielleicht wird sie am Ende doch noch Zahnärztin.

Text: Elisabeth Zsindely

Unser Engagement
Die Berufsmesse Zürich ist der grösste Treffpunkt für Berufswahl, Grund- sowie Weiterbildung und gewährt Jugendlichen und Erwachsenen Einblick in über 420 Lehrberufe, Schul- und Weiterbildungsangebote. Die Jugendlichen können in diverse Berufswelten eintauchen und die Berufe hautnah erleben. Durch den Erfahrungsaustausch werden Informationen vermittelt, Kontakte geknüpft und Berührungsängste abgebaut. Als Hauptsponsorin leisten wir einen Beitrag zur Lösung der sozialen Aufgaben im Kanton und übernehmen Verantwortung gegenüber KMU und Jugendlichen.