Das Geschäftsjahr 2018

Interview, Highlights und das
Geschäftsjahr in Zahlen

Interview

«Wer Impulse gibt, ist anderen voraus»

Die Zürcher Kantonalbank hat ein neues Konzernbild verabschiedet. Dr. Jörg Müller-Ganz, Präsident des Bankrats, und Martin Scholl, Vorsitzender der Generaldirektion, erklären, was das für die Mitarbeitenden und die Zukunft bedeutet.

Herr Müller-Ganz, Herr Scholl, trotz eines anspruchsvollen Umfelds konnte die Zürcher Kantonalbank auch 2018 erfreuliche Zahlen ausweisen. Woran liegt das?

Müller-Ganz: Vier Faktoren prägen den über lange Jahre nachhaltigen Erfolg unserer Bank: unsere Werte, Eigentümerschaft, Strategie, Organisation und Personal. Zürcherische Werte wie Leistungsorientierung, Verlässlichkeit, Transparenz, Berechenbarkeit, Zurückhaltung, Kontinuität und Langfristigkeit sind Teil unserer DNA. Unsere Eigentümervertreter, das Zürcher Parlament, sind ein weiterer Erfolgsfaktor; es gibt uns normativ die Eckpfeiler unserer Geschäftstätigkeit vor: eine auf Kontinuität ausgerichtete Geschäftspolitik, die Vorgabe, keine Unverhältnismässigen Risiken einzugehen sowie einen angemessenen Gewinn zu erwirtschaften und schliesslich auch die Staatsgarantie, welche Organe und Mitarbeitende zum Masshalten diszipliniert.

Scholl: Ein weiterer Erfolgsfaktor ist die langfristige Strategie, die wir im Kern seit 20 Jahren unverändert verfolgen. Wir streben nach einem ertragsorientierten Wachstum bei unseren verschiedenen Kundengruppen in geografisch klar definierten Märkten. Dabei hilft uns, dass sich unsere Organisation durch eine hohe Konstanz und geringe Personalfluktuationen bei den Schlüsselstellen auszeichnet.

Besteht die Gefahr der «Erfolgsverwöhntheit»?

Scholl: Nein. Das ist eine Frage der Mentalität – ganz ähnlich wie bei Sportlern, die einen Wettkampf mehrmals hintereinander gewonnen haben, aber weiterhin auf Bestresultate aus sind. Deshalb ist es so wichtig, dass wir die Leute mit dem richtigen Antrieb im Unternehmen haben. Wir wollen die Kraft unserer 150-jährigen Institution mit dem Sportsgeist eines Start-ups vereinen.

Wir sind der grösste private Förderer von Innovationen – und zwar schweizweit. Dr. Jörg Müller-Ganz

2018 hat die Zürcher Kantonalbank die «Neue Anlagewelt» eingeführt. Sind Ihre Erwartungen erfüllt worden?

Scholl: Absolut. Unsere Kundinnen und Kunden bringen unserer «Neuen Anlagewelt» ein grosses Vertrauen entgegen. Das wirkt sich auf die ganze Bank positiv aus.

Den Rechtsstreit mit dem US-Justizministerium konnten Sie 2018 mit einer Busse abschliessen. «Ende gut, alles gut?»

Müller-Ganz: Eine Strafzahlung von 98,5 Millionen Dollar tut weh. Trotzdem bin ich erleichtert, dass wir im Verfahren wegen des ehemaligen Geschäftes mit US-Kunden mit dem US-Justizministerium eine Einigung erzielt haben. Die Busse hat weder einen negativen Einfluss auf das Geschäftsergebnis 2018 noch auf unser Eigenkapital und unsere Ausschüttungen. Wir bleiben eine der best kapitalisierten Banken der Welt.

Was waren 2018 die intensivsten Aufgaben für den Bankrat?

Müller-Ganz: Nebst vielem anderen beschäftigten wir uns vorausschauend mit der geplanten Nachfolgeregelung unserer Geschäftsleitung, welche in einigen Jahren konzentriert das Rentenalter erreichen wird. Im Dezember hat der Bankrat Jürg Bühlmann, bisher Leiter Logistik, zum neuen Leiter des Firmenkundengeschäfts gewählt. Für die Geschäftseinheit Logistik sind wir zeitnah im Prozess der Neubesetzung.

Martin Scholl (links) und Dr. Jörg Müller-Ganz in der Filiale Zürich-Neumünster, die 2018 nach der Modernisierung neu eröffnet wurde

Wie stellt der Bankrat diese Nachfolgeplanung sicher?

Müller-Ganz: Eine fundierte Grundlagenarbeit ist die Basis. Der Bankrat setzt sich aus Persönlichkeiten mit einer breiten Diversität aus beruflichen, unternehmerischen und fachlichen Erfahrungen zusammen. Das ist eine gute Voraussetzung, um mehrdimensionale Fragestellungen wie diese überlegt anzugehen. Unsere Bank betreibt seit vielen Jahren eine gezielte Nachwuchsförderung für alle Führungsstufen – auch für die Generaldirektion. Deshalb verfügen wir stets bei allen Funktionen über interne Kandidaten. Die Zürcher Kantonalbank ist zudem auf allen Mitarbeiterstufen auch für Externe eine attraktive Bank. Sie können deshalb davon ausgehen, dass wir für alle Funktionen die geeignetste Besetzung finden werden.

Wie fördert die Bank die Mitarbeitenden auf allen Stufen?

Scholl: Unsere Führungskräfte pflegen den Dialog mit ihren Mitarbeitenden so, dass sie ihre Fähigkeiten entwickeln und interessante Perspektiven sehen können. Seit wir unseren Führungsansatz «Performance & Entwicklung» eingeführt haben, hat die Intensität der Gespräche nochmals zugenommen. Mit unseren über 5’000 Arbeitsplätzen bieten wir unzählige Möglichkeiten zur Weiterentwicklung – sogar dann, wenn jemand etwas ganz anderes ausprobieren möchte.

Welche Bedeutung haben Neuentwicklungen wie ZKB TWINT, KMU Finanzassistent und ZKB Immobilienportal?

Scholl: Während einige Kunden nach wie vor den Bankschalter bevorzugen, möchten andere möglichst alle Bankgeschäfte digital abwickeln. Die genannten Innovationen helfen uns, Kunden in der digitalen Welt positiv zu überraschen. Übrigens eröffneten wir schon vor 20 Jahren als erste Bank eine Onlinebank. Wir wollen on- und offline Nähe schaffen, dies ist eine unserer strategischen Prioritäten.

Wir wollen die Kraft unserer 150-jährigen Institution mit dem Sportsgeist eines Start-ups vereinen. Martin Scholl

Im Berichtsjahr definierte der Bankrat ein neues Konzernleitbild. Was gab den Anstoss dafür?

Müller-Ganz: Unsere Welt, die wirtschaftlichen, gesellschaftlichen Anforderungen sowie die Bedürfnisse und das Verhalten unserer Kundinnen und Kunden sind in einem sich beschleunigenden Wandel; dies ist zwar schon lange so, aber die Dynamik des Wandels nimmt weiter zu und führt verstärkt zu disruptiven, neuen Lösungsmodellen. Wir haben deshalb unser Leitbild diesen neuen Anforderungen angepasst und weiterentwickelt; evolutiv, nicht revolutionär.

Was bedeuten die neuen Unternehmenswerte?

Müller-Ganz: Wir sind und bleiben «verantwortungsvoll». Das bildet die Basis für unser Geschäft. Auch «persönlich» bleiben wir, wollen aber als «leidenschaftlich» wahrgenommen werden. Das heisst: Die persönliche Begeisterung an der Arbeit und im Austausch mit unseren Kundinnen und Kunden soll noch stärker spürbar werden. Unseren Wert «kompetent» haben wir zu «impulsgebend» weiterentwickelt. Denn Kundinnen und Kunden setzen fachliche Kompetenz voraus; deshalb gehen wir mit «impulsgebend» darüber hinaus. Der Bankrat erwartet von allen Mitarbeitenden, in ihren Bereichen weiterzudenken und Impulse zu geben; gegenüber Kundinnen und Kunden, Partnern und Lieferanten. Wer Impulse gibt, ist den anderen voraus.

Verantwortungsvoll, leidenschaftlich, impulsgebend: Wo möchten Sie Akzente setzen?

Scholl: Wir bemühen uns darum tagtäglich, alle unsere Werte glaubwürdig vorzuleben. Aber es geht um mehr als um unser Beispiel. Die Werte sollen unsere Mitarbeitenden anspornen. Sie geben ihnen viel Handlungsspielraum, aber auch Verantwortung. Für uns ist wichtig, dass die Mitarbeitenden nicht auf unsere Initiative warten, sondern diese selbst ergreifen.

Welche Entwicklungen fordern die Bank in den nächsten Jahren heraus?

Müller-Ganz: Digitalisierung, Globalisierung, Automatisierung: Der Wandel vollzieht sich immer schneller. Die Aufgabe des Bankrats besteht darin, die strategischen Rahmenbedingungen zu schaffen, damit die Zürcher Kantonalbank weiterhin als sichere und nachhaltig erfolgreiche Universalbank die Bedürfnisse der Kundinnen und Kunden bedienen kann – über das nächste Jahrzehnt hinaus. Dabei definieren wir einen Weg zwischen vermeintlichen Gegensätzen: Stabilität und Entwicklung, Verlässlichkeit und Innovation, lokale Verankerung und globale Bedürfnisse, analoge und digitale Welt, Einfachheit und Komplexität.

Reflektiert die Strategie schon diese Herausforderungen?

Scholl: Zu 100 Prozent! Entscheidend ist aber, wie wir sie umsetzen. Als Organisation wollen wir die Reise mit den Kundinnen und Kunden sowie den Mitarbeitenden antreten – und unterwegs niemanden verlieren. Innovationen müssen wir so «dosieren», dass alle «auf dem Zug» bleiben.

«Einfacher und agiler werden» lautet eine strategische Priorität. Doch die Regulierungsdichte im Finanzmarkt nimmt zu …

Müller-Ganz: Eine bedeutende Aufgabe des Bankpräsidiums besteht darin, einen Beitrag dazu zu leisten, dass die gesetzliche Regulierung des schweizerischen Finanzmarkts die Handlungsfähigkeit der Inlandbanken und insbesondere der Zürcher Kantonalbank nicht weiter einschränkt.

Wagen Sie einen Marktausblick für 2019?

Scholl: Die Zinsen dürften vorerst tief bleiben, die Gefahr einer Rezession ist gering. Anleger sollten investiert bleiben, aber auf Qualität und eine breite Diversifikation achten. Dabei halten wir Aktien weiterhin für attraktiver als Obligationen. Ein «Timing» ist jedoch kaum möglich – nur schon wegen geopolitischer Risiken. Schliesslich kann die gestiegene Volatilität im Handel zu Chancen führen.

In den Hypothekarmarkt drängen vermehrt Versicherungen, Online-Anbieter und Pensionskassen. Gelingt es der Bank, ihre führende Position zu verteidigen?

Scholl: Wir wachsen mit dem Markt. Doch wir definieren uns über unsere Leistungen, nicht über den Preis. Qualität kommt vor Quantität. Was manche «neuen» Mitbewerber betrifft, scheint sich die Geschichte zu wiederholen. Vor rund 20 Jahren haben wir schon einmal Hypotheken von Pensionskassen zurückgekauft, weil diese festgestellt haben, dass andere Anlageklassen wieder besser rentieren.

Ab 2019 muss die Zürcher Kantonalbank höhere Eigenmittelanforderungen erfüllen. Was bedeutet das?

Müller-Ganz: Der Bundesrat unterscheidet zwischen den zwei global systemrelevanten Grossbanken und den drei national systemrelevanten Banken, zu denen die Zürcher Kantonalbank gehört. Am Jahresende hat er für die national systemrelevanten Banken die Eigenmittelvorschriften für einen potenziellen Krisenfall festgelegt. Dabei hat er mit tieferen Vorgaben für die Zürcher Kantonalbank unserer Staatsgarantie Rechnung getragen. Wir übererfüllen diese Anforderungen, die in sechs Jahren gelten werden, dank einer gezielten Eigenkapitalpolitik schon heute.

Was unternimmt die Zürcher Kantonalbank, um Innovationen im Wirtschaftsraum Zürich zu fördern?

Müller-Ganz: Die Zürcher Kantonalbank ist der grösste private Förderer von Innovationen – und zwar schweizweit. Durch langfristige Kooperationen mit allen vier Hochschulen im Kanton fördern wir die Grundlagenforschung. Weiter befähigen wir Jungunternehmer bei der Unternehmensgründung, indem wir verschiedene Plattformen finanzieren. Ausserdem stiften wir Räume für Start-ups in allen relevanten Techno- und Innovationsparks in unserem Kanton. Schliesslich unterstützen wir innovative Jungunternehmen mit Eigenkapital: Derzeit sind wir an 100 Start-ups beteiligt. Zusätzlich haben wir kürzlich einen Wachstumsfonds für institutionelle Anleger lanciert. Damit stehen vielversprechenden Jungunternehmen 150 Millionen Franken zur Verfügung.

Wie interpretieren Sie den Leistungsauftrag für die heutige Zeit?

Müller-Ganz: Im Zentrum steht, die Bevölkerung und die Unternehmen im Kanton mit Finanzdienstleistungen zu versorgen. Was das bedeutet, zeigte sich etwa nach der Finanzkrise von 2008. Damals erwies sich die Zürcher Kantonalbank als sicherer Hort für Kundengelder. Wir blieben ein verlässlicher Finanzierungspartner für alle Unternehmen, während andere Banken ihre Kreditvergabe stark einschränkten. Zudem erfüllen wir den gesetzlichen Auftrag, im Kanton Zürich zur Lösung von volkswirtschaftlichen und sozialen Aufgaben beizutragen und eine umweltverträgliche Entwicklung zu unterstützen. Dafür haben wir in den letzten Jahren auf vielseitige Art und Weise 140 Millionen Franken eingesetzt.

Das 150-Jahr-Jubiläum rückt näher. Kontrovers diskutiert wird die Idee einer Seilbahn über den Zürichsee. Würden Sie sich wieder für dieses Projekt entscheiden?

Scholl: Ja. Schon bei der Planung dieses Grossprojekts erklärten uns Experten, dass Einsprachen kommen würden. Gemäss Umfragen geniesst unser Projekt mit der ZüriBahn jedoch eine sehr hohe Zustimmung, auch in den betroffenen Quartieren Riesbach und Wollishofen. Für uns geht es nicht um Marketing, sondern um ein innovatives Projekt für Stadt und Kanton. Genauso wie beim ErlebnisGarten, in dem man die ZeitReise durch die letzten 150 Jahre erleben kann.

Dr. Jörg Müller-Ganz

ist seit Juli 2011 Präsident des Bankrats. Der Ökonom ist 2007 ins Gremium gewählt worden

Martin Scholl

ist seit 2007 Vorsitzender der Generaldirektion, der er seit 2002 angehört. Er absolvierte schon seine Lehre bei der Bank.


Interview: Stephan Lehmann-Maldonado

Geschäftsjahr 2018 in Zahlen

295,2 Mia.

Vermögen

Die Kundenvermögen beliefen sich im Berichtsjahr 2018 auf 295,2 Milliarden Franken, was einem Wachstum von 6,4 Milliarden Franken entspricht.

20,2 %

Gesamt­kapital­quote

Ende 2018 wiesen wir ein Eigenkapital in der Höhe von 11,9 Milliarden Franken aus. Damit zählen wir zu den am besten kapitalisierten Banken der Welt – auch ohne Berücksichtigung der Staatgarantie.

358 Mio.

Dividende

Für das Geschäftsjahr 2018 schütteten wir bei einem Konzerngewinn von 788 Millionen Franken eine Divdende von 358 Millionen Franken aus. Davon flossen 115 Millionen Franken an die Gemeinden.

286 Mio.

Handels­geschäft

Im Geschäftsjahr 2018 lag der Erfolg aus dem Handelsgeschäft bei 286 Millionen Franken und damit bei einem Anteil von 12 Prozent am Geschäftsertrag.

700’000

Anrufe

Im Jahr 2018 durften wir 700’000 Anfragen von Privatpersonen und Firmenkunden im Betreuungscenter entgegennehmen.

150 Mio.

für Jungunter­nehmen

2018 lancierte Swisscanto Invest by Zürcher Kantonalbank einen Private Equity Fonds, der in vielversprechende Jungunternehmen in der Expansionsphase investiert, welche die risikoreiche Start-up-Phase erfolgreich durchlaufen haben.

Highlights 2018

Clevere Eigen­heim-Suche

Auf unserem Immobilien-Portal finden künftige Eigen­heim­besitzer ihr Wunsch­objekt. In der Suchmaske können sie neben Ort oder Grösse auch Bedürfnisse wie Pendelweg, Distanz zu Schule oder Gewässern erfassen.

Grüne Anleihe

Erstmals lancierten wir 2018 einen Green Bond. Der Emissions­erlös von 325 Millionen Franken dient der Refinanzierung von ZKB Umwelt­darlehen, womit umwelt­freund­liches Bauen und Renovieren gefördert wird.

Bikesharing in Zürich

Mit «Züri Velo» unterstützen wir seit 2018 das Velo­verleih­system von PubliBike und engagieren uns für die Förderung nachhaltiger Mobilität.

Einfach zu Konten und Karten

Unser neuer digitaler Produkt­berater hilft unseren Kunden bei der Wahl der richtigen Paketlösung aus Zahl- und Sparkonto, Debit- und Kreditkarte.

Kompetenzen für die Zukunft

Ab Lehrstart 2019 folgt die Banklehre einem neuen Lehrplan. Als einer der grössten Lehrbetriebe des Kantons haben wir das neue Curriculum der Banklehre mass­geblich mitgestaltet.

Kunden­zufriedenheit

Unsere Kunden­befragung bestätigte die hohe Kunden­bindung und -zufriedenheit. Sowohl bei privaten Kundinnen und Kunden wie auch bei Firmen­kunden lagen die Ergeb­nisse über unseren Zielwerten.

Eröffnung Innovationspark

Im März 2018 öffnete der Pavillon auf dem Flugplatz in Dübendorf seine Türen, was gleichzeitig der Startschuss für den gesamten Innovationspark war.