Das Geschäftsjahr 2017

Interview, Highlights und das
Geschäftsjahr in Zahlen

Interview

«Auch in einem digitalen Umfeld braucht es Nähe»

Neue Anlagewelt, Online-Banking, 150-Jahr-Jubiläum: Dr. Jörg Müller­-Ganz, Präsident des Bankrats, und Martin Scholl, Vorsitzender der Generaldirektion, erklären, wie sich die Zürcher Kantonalbank für die Zukunft positioniert.

Herr Müller-Ganz, Herr Scholl, die Zürcher Kantonalbank war 2017 gut unterwegs. Worauf sind Sie besonders stolz?

Müller-Ganz: Auf die Fähigkeit unserer Bank sich auf die Herausforderungen der Zukunft auszurichten. Unsere Stabilität beruht auf den erfolgreichen Leistungen der Vergangenheit; mit der Ausrichtung auf die Änderungen unserer Umwelt wollen wir die bewährte Anpassungsfähigkeit unserer Bank erhalten.

Scholl: Auf die Resultate unserer Mitarbeiterzufriedenheitsstudie: Wir erzielten Rekordwerte! Unsere Mitarbeitenden kommen gerne und engagiert zur Arbeit. Zudem haben wir Anfang 2018 unsere neue Anlagewelt lanciert.

Was ist das Geheimnis des anhaltenden Erfolgs?

Müller-Ganz: Unser Erfolg basiert auf fünf Pfeilern: unserem zürcherischen Wertekanon, der langfristig stabilen Strategie, dem kerngesunden finanziellen Fundament, der hohen Stabilität aller Organe und Mitarbeitenden – und unserem Eigentümer, dem Kanton Zürich. Ihm sind Nachhaltigkeit und Verlässlichkeit wichtiger als Gewinnmaximierung.

Wir bleiben am Puls aller Anspruchs­gruppen, um unseren Leistungs­auftrag zu erfüllen. Dr. Jörg Müller-Ganz

Liegt nach den erfreulichen Ergebnissen noch mehr drin?

Scholl: Ich bezweifle, dass dies die richtige Fragestellung ist. Ein gleich gutes Geschäftsergebnis entspricht womöglich in einem schlechten Marktumfeld einer besseren Leistung als ein Plus von 3 Prozent in einem Boomjahr. Für mich ist der Massstab, dass alle Mitarbeitenden ihr Bestes geben. Wir arbeiten daran, unsere Produktivität weiter zu verbessern.

Wie beurteilen Sie das Markt­umfeld?

Scholl: Die Volkswirtschaften brummen rund um den Globus. Zugleich sind die Zinsen immer noch sehr tief bis negativ. Mit Kundeneinlagen verdient eine Bank kaum Geld. Die Zinserhöhungen rücken aber näher. Viele Anlageklassen scheinen derzeit fast astronomisch hoch bewertet, teilweise seit Jahren. Irgendwann wird es zu einer Korrektur kommen. Auch bei den Kryptowährungen beobachten wir eine Übertreibungsphase. Bei manchen dieser Währungen ist offen, ob wir uns Ende Jahr noch an sie erinnern werden.

Der grösste Kostenfaktor einer Bank ist der Personalaufwand. Manche Konkurrenten verlagern daher Arbeitsplätze ins Ausland.

Müller-Ganz: Als Zürcher Kantonalbank bekennen wir uns zur Qualität des Arbeits- und Werkplatzes Zürich. Das Verlagern von Stellen ins Ausland steht nicht zur Diskussion.

Scholl: Wir haben vor Jahren ein Kostendach implementiert. Das diszipliniert uns und sorgt dafür, dass wir keinen Personalabbau im grossen Stil durchführen müssen. Jene, die Arbeitsplätze in Tieflohnländer verlegt haben, merken inzwischen, dass dort die Löhne steigen und sich über die Arbeitsqualität diskutieren lässt.

Welche Antworten hat die Bank auf die Herausforderungen der nächsten Jahre bereit?

Scholl: Wir haben drei Prioritäten definiert, um unsere Strategie umzusetzen: Erstens müssen wir einfacher und agiler werden – trotz aller Regulierungen. Zweitens wollen wir unser Anlage- und Vorsorgegeschäft stärken. In diesem Bereich entsteht in der Schweiz noch Vermögen, etwa über die zweite und die dritte Säule. Drittens arbeiten wir daran, wie die «nahe Bank» in einem digitalen Umfeld, in dem die Geschäftsstellen an Bedeutung verlieren, Nähe schaffen kann.

Was verlangt von Ihnen den grösseren Kraftakt: die zunehmende Regulierung oder die Launen der Finanzmärkte?

Müller-Ganz: Für den Bankrat liegt der Fokus auf der Regulierung. Ich setze mich dafür ein, dass diese der Bank und der Volkswirtschaft nicht schadet. Während der letzten Jahre sind zahlreiche Vorschriften in Kraft getreten. Die derzeit vorliegenden Pläne des Bundes bezüglich Eigenmittel für inlandsorientierte systemrelevante Banken – wozu die Zürcher Kantonalbank zählt – schiessen übers Ziel hinaus. Sie anerkennen beispielsweise unsere Staatsgarantie nicht bedingungslos und werden der Zürcher Verfassung und dem ZKB Gesetz nicht gerecht. Deshalb setzen sich der Bankrat, zusätzlich aber auch die Geschäftsleitung des Kantonsrats und viele Zürcher Nationalrätinnen und -räte für unser Anliegen ein.

Anfang 2018 hat die Kantonalbank ihre neue Anlagewelt eingeführt. Gibt es bereits Rückmeldungen seitens Kunden?

Scholl: Ja, … Doch das erste und wichtigste Feedback kam von den Mitarbeitenden: Sie sind begeistert. Nur wenn unsere Mitarbeitenden eine Lösung mit Leidenschaft vertreten, wird diese Erfolg haben. Entsprechend fielen die Rückmeldungen der Kunden sehr positiv aus.

Der Austausch der jungen Menschen mit der Bank ist sogar intensiver als jener der Eltern. Martin Scholl

Ein wichtiges Geschäftsfeld bleiben Hypotheken. Hier steht der kalkulatorische Mindestzins von 5 Prozent immer wieder zur Diskussion. Was unternehmen Sie, um Ihre Marktstellung zu verteidigen?

Scholl: Wir finanzieren jede zweite Wohnung im Kanton Zürich. Damit ist unsere Marktposition erstklassig – ein Ausbau wäre sehr schwierig. Wir sehen keinen Bedarf, an der Belehnungs- und der Tragbarkeitsrichtlinie etwas zu ändern. Der kalkulatorische Mindestzins von 5 Prozent mag momentan hoch scheinen, doch historisch entspricht er einem Mittelwert. Familien sind gut beraten, auf die langfristige Tragbarkeit ihres Eigenheims zu achten.

Als einzige Bank kann die Zürcher Kantonalbank mit einem AAA-Rating auftrumpfen. Ist die Bank auf die Staatsgarantie überhaupt angewiesen?

Müller-Ganz: Selbst ohne Staatsgarantie kommen wir auf ein Rating AA- von Standard & Poor’s, womit wir weltweit auf dem ersten Platz bleiben.

Dann ist eine Staatsbank ordnungspolitisch nach wie vor sinnvoll?

Müller-Ganz: Staatsbanken entsprechen dem politischen Willen – im Kanton Zürich sowie in der ganzen Schweiz. Sie tragen zur Stabilität des Finanzplatzes, zur Vielfalt der Banken bei und leisten einen Beitrag zur Entwicklung ihres jeweiligen Wirtschaftsraums. In unserem Land gibt es 25 Staatsbanken, inklusive der Postfinance.

Durch welche Werte differenziert sich die Zürcher Kantonalbank?

Müller-Ganz: Wir sind die «nahe Bank» der Zürcher Bevölkerung und der Zürcher Unternehmen. Als solche sind wir dem Wirtschaftsraum Zürich verpflichtet. Um unsere Nähe für alle sicht- und spürbar zu machen, arbeiten wir nach unseren Leitwerten: kompetent, persönlich und verantwortungsvoll.

Die Zürcher Kantonalbank hat vom Kanton einen Leistungsauftrag erhalten. Welche Bedeutung kommt diesem noch zu?

Müller-Ganz: Der Leistungsauftrag besteht darin, einerseits die Anlage- und Finanzierungsbedürfnisse der Bevölkerung und der Unternehmen im Kanton Zürich zu befriedigen und andererseits einen Beitrag zu den volkswirtschaftlichen und sozialen Aufgaben im Kanton zu leisten. Sowohl die Bedürfnisse wie die weiteren Aufgaben verändern sich mit der Zeit. Uns ist es darum wichtig, am Puls aller Anspruchsgruppen zu bleiben. Selbstverständlich berücksichtigen wir Megatrends wie die Digitalisierung.

Die Zürcher Kantonalbank hat 2017 die Bezahl-App TWINT für Smartphones und ein neues Immobilienportal lanciert. Was bedeuten solche digitalen Lösungen für die Bank?

Scholl: Wenn es um neue Technologien geht, mischen wir vorne mit. Wir lancierten 1997 die erste Online-Bank. Damit zählten wir schon vor 20 Jahren zu den Pionieren. Die Art und Weise, wie man Banking betreibt, ist dem Wandel unterworfen – nicht erst seit gestern. Zweifelsohne kommt der Digitalisierung eine wichtige Rolle zu. Doch sie ist nicht erst heute erfunden worden. Im Kern geht es für uns darum, das Banking für Kunden mit digitalen Lösungen bequemer zu gestalten. Das ist nicht einfach; denn unsere Kunden sind unterschiedlich. Hinzu kommt, dass alle Online-Lösungen sehr sicher sein müssen.

Mit anderen Konzernen haben Sie Ende 2017 die Swiss Sign Group gegründet – mit dem Ziel, eine elektronische Identität zu lancieren, die Swiss ID. Was hat Sie dazu bewogen? Und was haben Kunden davon?

Scholl: Im internationalen Vergleich hinkt die Schweiz hinterher. Gerade im Kontakt mit den öffentlichen Behörden lassen sich viele Transaktionen nicht online abwickeln. Die Banken spielen bei der Digitalisierung eine Schlüsselrolle. Denn Kunden loggen sich oft bei Banken ein – und die Log-in-Verfahren sind äusserst sicher. Darum ist das Projekt einer Swiss ID auch für die Zürcher Kantonalbank wichtig. Wir möchten dazu beitragen, dass man sich mit einer einzigen digitalen Identität im Netz bewegen kann. Es genügt dann, sich ein Passwort zu merken – statt 150 Passwörter. Für Kunden ist das kostenlos, da die Online-Dienstleister die Swiss ID finanzieren.

Als «nahe Bank» setzen Sie aber weiterhin auf die persönliche Nähe?

Müller-Ganz: Unbedingt. In bin davon überzeugt, dass es das persönliche Beratungsgespräch braucht, um Emotionen sowohl zu verstehen als auch zu vermitteln. Und dies bildet die Basis, um Vertrauen zu schaffen und zu erhalten.

Gemäss Untersuchungen weist die junge Generation nicht mehr so starke Bindungen zu einer Bank auf wie ihre Eltern. Wie gehen Sie damit um?

Scholl: Wir erleben das anders. Junge Menschen haben oft dieselbe Krankenkasse wie ihre Eltern und mit derselben Bankverbindung begonnen. Heute verhalten sich alle Kundengruppen wechselhafter. Sie suchen ihren Vorteil. So kommen zu Beispiel fast alle Jungen wegen des ZKB Nachtschwärmers zu uns. Damit entfällt der Zuschlag fürs ZVV-Nachtnetz. Wir müssen nur darauf achten, diese Kunden nicht zu verlieren. Der Austausch der Jungen mit der Bank über die digitalen Kanäle ist sogar intensiver als jener der Eltern. Menschen unter 30 verschieben viel häufiger Geld für kleine Beträge per Smartphone. Sobald jedoch ein Hauskauf oder eine grössere Erbschaft ansteht, möchten auch sie Fachspezialisten in die Augen blicken, die sie verstehen.

Sie haben das 150-Jahr-Jubiläum der Bank schon zum Thema gemacht. Was stimmt Sie zuversichtlich, dass wir 2020 mit der ZüriBahn über den Zürichsee schweben können?

Müller-Ganz: Erstens leisten die Zürcher Kantonalbank und alle Experten hervorragende Arbeit, um die Rahmenbedingungen des Erlebnisses zu ermöglichen. Zweitens erfahren wir von den Behörden von Stadt, Kanton und Bund sehr viel guten Willen für unser schwebendes Geschenk. Drittens ermutigt uns das Feedback der Bevölkerung!

Neben der ZüriBahn sind ein ErlebnisGarten und eine ZeitReise geplant …

Scholl: … die ZeitReise ist für uns eine grosse Chance, die Geschichte unserer Bank und des Kantons multimedial sicht- und erlebbar zu machen. Der ErlebnisGarten wird mit seiner Architektur wirklich zum Erlebnis. Und wenn unsere ZüriBahn gleich viel auslöst wie die Landibahn 1939 und die Seilbahn zur Gartenbau-Ausstellung 1959, wird sie weit ins Jahrhundert ausstrahlen.

Dr. Jörg Müller-Ganz

ist seit Juli 2011 Präsident des Bankrats. Der Ökonom ist 2007 ins Gremium gewählt worden

Martin Scholl

ist seit 2007 Vorsitzender der Generaldirektion, der er seit 2002 angehört. Er absolvierte schon seine Lehre bei der Bank.

Geschäftsjahr 2017 in Zahlen

363 Mio. Dividende

Für das Geschäftsjahr 2017 schütteten wir eine Dividende von 363 Millionen Franken aus. Davon flossen 115 Millionen Franken an die Gemeinden.

782 Mio. Gewinn

Im Jahr 2017 erwirtschafteten wir einen Gewinn von 782 Millionen Franken. Damit lag das Ergebnis um 2,8 Prozent über demjenigen vom Vorjahr.

18,8 % Gesamt­kapitalquote

Ende 2017 wiesen wir Eigenkapital im Wert von 11,228 Milliarden Franken aus. Damit zählen wir zu den am besten kapitalisierten Banken der Welt – auch ohne Berücksichtigung der Staatgarantie.

1’988 Lieferanten und Partner

Mit 1’988 Lieferanten und Partnern pflegten wir 2017 eine Beziehung. Davon sind über 75 Prozent aus dem Kanton Zürich.

204,1 Mia. Vermögen

Auf Ebene Stammhaus belief sich das für private Kundinnen und Kunden sowie Unternehmen verwaltete Vermögen auf 204,1 Milliarden Franken.

334 Mio. Handelsgeschäft

Im Geschäftsjahr 2017 lag der Erfolg aus dem Handelsgeschäft bei 334 Millionen Franken und damit bei einem Anteil von 14 Prozent am Geschäftserfolg.

4,9 Mia. ZKB Starthypotheken

Wer zum ersten Mal eine Hypothek abschliesst, erhält bei uns eine Zinsvergünstigung. 2017 beliefen sich die ausgeliehenen ZKB Starthypotheken auf 4,9 Milliarden Franken.

720’000 Anrufe

Im Jahr 2017 durften wir 720’000 Anfragen von Privatpersonen und Firmenkunden im Betreuungscenter entgegennehmen.

4’200 Kleinst­finanzierungen

Knapp so viele nicht kostendeckende Kleinstfinanzierungen an KMU gewährten wir unserem Leistungsauftrag entsprechend im Jahr 2017.

Highlights 2017

CIO-Dienstleistungen

Seit 2015 bietet die Zürcher Kantonalbank CIO-Dienst­leistungen im Anlage- und Vermögens­verwaltungs­geschäft erfolgreich Drittbanken an. 2017 konnten wir drei neue Partnerbanken dazugewinnen.

Beratung mit Tablets

Beraterinnen und Berater können nun im Gespräch mit Kundinnen und Kunden auch komplexe Zusammenhänge mittels Tablets einfach erklären. Rund 1’000 Mitarbeitende sind vergangenes Jahr dafür ausgebildet worden.

TWINT-Lancierung

Mit TWINT kann man Beträge einfach via Smartphone überweisen und direkt an der Ladenkasse bezahlen. 2017 haben wir die App zusammen mit fünf weiteren grossen Banken lanciert.

Mitarbeiter­zufriedenheit

Unsere Befragung des Personals erreichte einen lang­jährigen Höchstwert von 84 Index­punkten (unser Ziel: mindestens 70 Index­punkte). Dies bestätigt die Attraktivität der Zürcher Kantonalbank als Arbeit­geberin.

Neue Anlagewelt

Die Verbindung von Expertenwissen, persönlicher Betreuung und modernster Technologie zeichnet unser überarbeitetes Modell für die Anlageberatung aus. Darüber hinaus bleibt die Beratung einfach und verständlich.

Umweltdarlehen

Rund 1,2 Milliarden Franken an ZKB Umweltdarlehen wiesen wir 2017 aus. Mit einer Zinsreduktion von bis zu 0,8 Prozent fördern wir umweltfreundliches Bauen und Renovieren.

94,9 % der Lernenden weiterbeschäftigt

Von den diesjährigen Absolventinnen und Absolventen einer Berufslehre sind 94,9 Prozent bei uns geblieben und werden ihren beruflichen Rucksack mit weiteren wertvollen Erfahrungen füllen.

Friendly Work Space

Seit 2014 tragen wir die Auszeichnung «Friendly Work Space». Das Qualitäts­siegel steht für ein systema­tisches betrieb­liches Gesundheits­engagement.